Studium neben dem Beruf: Belastung ehrlich eingeordnet

Berufstätige Frau lernt am Abend am Küchentisch mit Lehrbuch und Notizen

Wie belastend ist ein Studium neben dem Beruf? Spürbar, aber für die meisten nicht erdrückend. Laut der Studierendenbefragung 2026 der AKAD University fühlen sich 54 Prozent der Befragten in ihrem Studium „positiv gefordert“, 28 Prozent „gestresst“ und 21 Prozent „belastet“. Weil mehrere Antworten möglich waren, schließen sich diese Angaben nicht aus: Viele erleben beides zugleich.

Wie schwer die Doppelbelastung wiegt, entscheidet sich vor allem an einer nüchternen Rechnung aus Arbeitszeit, Studienzeit und Familie. Dieser Beitrag zeigt, wie sich die Gefühle verteilen, wie viele Stunden ein Studium nebenher laut amtlicher Sozialerhebung kostet, wie Sie Ihr eigenes Wochenbudget durchrechnen und wo Sie Unterstützung finden.

Wie sich ein Studium neben dem Beruf anfühlt

Die sieben Gefühle in Zahlen

Die Studierendenbefragung 2026 der AKAD University hat eingeschriebene Studierende der privaten Fernhochschule gefragt: „Wie fühlen Sie sich aktuell in Ihrem Studium?“ 806 Personen haben geantwortet, jede durfte mehrere von sieben vorgegebenen Gefühlen wählen. Das ist eine Momentaufnahme aus Sicht der Studierenden selbst; wer das Studium wegen Überlastung schon abgebrochen hat, ist darin nicht enthalten, und zu Zeitraum und Beteiligung schweigt die Veröffentlichung. Die Werte beschreiben also die Stimmung unter AKAD-Studierenden und nicht unter allen Fernstudierenden in Deutschland.

Am häufigsten nannten die Befragten „positiv gefordert“ (54,2 Prozent), danach „neugierig“ (37,8 Prozent) und „stolz“ (37,3 Prozent). „Begeistert“ wählten 22,3 Prozent. Auf der anderen Seite stehen „gestresst“ mit 28,0 Prozent, „belastet“ mit 21,3 Prozent und „einsam“ mit 13,3 Prozent.

Jeder Zweite positiv gefordert,gut jeder Vierte gestresstAnteil der Befragten in %, MehrfachnennungPositive GefühlePositiv gefordert54 %Neugierig38 %Stolz37 %Begeistert22 %Belastende GefühleGestresst28 %Belastet21 %Einsam13 %0 %20 %40 %60 %Quelle: AKAD-Studierendenbefragung2026, S. 11, n = 806
Abb.: Wie fühlen Sie sich aktuell in Ihrem Studium? Antworten von 806 AKAD-Studierenden, Mehrfachnennung möglich (Selbstauskunft). Quelle: AKAD-Studierendenbefragung 2026

Was die Mehrfachnennung bedeutet

Zählt man alle Antworten zusammen, kommen 1.728 Nennungen auf 806 Personen, im Schnitt also gut zwei Gefühle pro Kopf (eigene Berechnung aus den veröffentlichten Werten). Ein Teil derer, die „gestresst“ angekreuzt haben, hat demnach zugleich „stolz“ oder „positiv gefordert“ gewählt. Wie groß diese Überschneidung genau ist, geht aus den veröffentlichten Zahlen nicht hervor. Die AKAD fasst zusammen, 82 Prozent verbänden ihr Studium mit positiven Gefühlen. Wie dieser Wert hergeleitet wurde, gibt die Hochschule nicht an; aus den Einzelwerten lässt er sich wegen der Mehrfachnennung nicht nachrechnen.

Warum Stolz und Stress zusammen auftreten

Wer neben einer festen Stelle studiert, erlebt selten eine gleichmäßige Belastung. Es gibt Wochen, in denen ein Modul gut vorankommt und das Gelernte im Job schon nützt, und Wochen, in denen eine Hausarbeit, ein Projekt im Büro und ein krankes Kind zusammenfallen. Eine Momentaufnahme wie „Wie fühlen Sie sich aktuell?“ fängt beide Zustände ein, je nachdem, in welcher Phase jemand gerade steckt.

Für Ihre Entscheidung heißt das: Stress im Studium ist kein Beleg dafür, dass das Modell nicht zu Ihnen passt. Umgekehrt garantiert eine positive Grundstimmung keine reibungslosen Prüfungsphasen. Aussagekräftiger als die Frage „Werde ich gestresst sein?“ ist deshalb die Frage „Wie viel Spielraum habe ich, wenn es eng wird?“. Dieser Spielraum lässt sich vorab berechnen. Wer sich fachlich dafür interessiert, wie Menschen Druck und Motivation erleben, findet in der Studienorientierung Psychologie einen Einstieg in das Fach.

Ein Wert verdient eigene Beachtung: 13,3 Prozent fühlen sich einsam. Das ist das seltenste der sieben Gefühle, betrifft aber immer noch etwa jede achte befragte Person. Im Fernstudium fehlen die zufälligen Begegnungen im Hörsaal, Austausch muss man sich bewusst organisieren. Wie sich Präsenz- und Fernformat in diesem Punkt und bei den Anforderungen unterscheiden, lesen Sie im Vergleich Präsenzstudium oder Fernstudium.

Zwei Fernstudierende vergleichen am Wochenende Notizen in einem Café
Austausch mit Mitstudierenden muss im Fernstudium bewusst organisiert werden. (KI generiertes Bild)

Woher die Belastung kommt: Zeitbudget im Vergleich

Verlässliche Zahlen zum Zeitaufwand liefert die 22. Sozialerhebung (DZHW). Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung hat dafür mit Förderung des Bundesforschungsministeriums Studierende im Sommersemester 2021 befragt und erstmals auch Fernstudierende als eigene Gruppe berücksichtigt. Die Werte sind Durchschnitte über alle Hochschulen und Fächer in der Vorlesungszeit, keine Angabe für einen bestimmten Studiengang.

Gruppe Studium (Std./Woche) Erwerbstätigkeit (Std./Woche)
Präsenzstudium 35,2 –
Fernstudium 29,6 –
Berufsbegleitendes Studium 22,6 32,5
Berufsbegleitend, Teilzeitstudium 21,3 (11,3 Lehrveranstaltungen + 10,0 Selbststudium) 33,6
Fernstudium, Teilzeitstudium 19,6 (5,9 Lehrveranstaltungen + 13,7 Selbststudium) 35,2

Quelle: 22. Sozialerhebung, Abb. 3.12 (S. 63) und Abb. 4.6 (S. 89); Erwerbsstunden nur für erwerbstätige Studierende; Teilzeitsummen eigene Berechnung aus den veröffentlichten Werten.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens investieren berufsbegleitend Studierende weniger Stunden ins Studium als Präsenzstudierende, aber keineswegs wenige: gut 22 Stunden pro Woche entsprechen mehr als einer halben Stelle. Zweitens arbeiten sie im Schnitt gut 32 Stunden. Legt man beide Durchschnittswerte nebeneinander, ergeben sich rund 55 Stunden für Job und Studium zusammen (32,5 plus 22,6 Stunden, eigene Berechnung aus den veröffentlichten Werten). Arbeitswege, Haushalt und Familie sind darin noch nicht enthalten. Da beide Mittelwerte aus unterschiedlichen Auswertungen stammen, ist das nur eine grobe Orientierung.

Laut Sozialerhebung sind rund 70 Prozent der berufsbegleitend Studierenden und der Fernstudierenden in einem Teilzeitstudiengang eingeschrieben. Das Tempo ist also der wichtigste Hebel, den Sie selbst in der Hand haben. Wie viel Zeit ein konkretes Fach kostet, hängt zusätzlich von Modulzahl und Prüfungsform ab; einen Eindruck vom Umfang eines typischen berufsbegleitenden Fachs gibt die Studienorientierung Betriebswirtschaftslehre.

Der Druck beginnt oft schon im Job

Ein Teil der Belastung bringen Berufstätige bereits mit ins Studium. Der Stressreport Deutschland 2019 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beruht auf der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 mit 17.852 abhängig Beschäftigten. 48 Prozent von ihnen berichten von häufig starkem Termin- oder Leistungsdruck, und 67 Prozent dieser Gruppe fühlen sich dadurch belastet. Vollzeitbeschäftigte sind häufiger betroffen als Teilzeitbeschäftigte (51 zu 37 Prozent), Beschäftigte mit Führungsverantwortung häufiger als ohne (58 zu 44 Prozent). Bei Beschäftigten mit einer Fortbildung zum Meister oder Fachwirt liegt der Anteil bei 57 Prozent.

Diese Zahlen betreffen Beschäftigte allgemein, nicht Studierende. Sie zeigen aber, aus welcher Ausgangslage viele kommen: Wer nach einer Aufstiegsfortbildung ein Studium beginnt, arbeitet oft in Vollzeit und in Positionen mit hohem Termindruck. Das Studium landet dann nicht in einem leeren Kalender, sondern in einem vollen. Prüfen Sie deshalb vor der Einschreibung, wann in Ihrem Job Spitzen entstehen, etwa Quartalsabschlüsse, Saisongeschäft oder Projektabnahmen, und legen Sie Prüfungen nach Möglichkeit nicht in diese Wochen. Dass Flexibilität bei der Studienwahl Berufstätiger den Ausschlag gibt, zeigt auch die AKAD-Befragung: 88 Prozent nannten das digitale Studienmodell als Grund für ihre Wahl.

Berufstätiger trägt Prüfungstermine in einen Wandkalender im Büro ein
Prüfungstermine früh mit den Spitzenzeiten im Job abgleichen. (KI generiertes Bild)

Ihr Wochenbudget ehrlich rechnen

Ob ein Studium neben dem Beruf tragbar ist, lässt sich nicht pauschal beantworten, wohl aber für Ihre eigene Woche. Die folgende Methode braucht zehn Minuten und einen Zettel:

  1. Feste Blöcke eintragen: Arbeitszeit laut Vertrag, regelmäßige Überstunden und Arbeitsweg.
  2. Schlaf und Alltag abziehen: Bei sieben Stunden Schlaf sind das 49 Stunden; für Essen, Haushalt und Körperpflege kommen schnell 15 bis 20 Stunden hinzu.
  3. Familie und feste Termine eintragen: Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Ehrenamt, Vereinssport.
  4. Erholung reservieren: Zeit für Freunde, Bewegung und Nichtstun wird nicht verrechnet, sondern vorab eingetragen.
  5. Puffer abziehen: Vom Rest planen Sie nur etwa drei Viertel als Lernzeit ein. Das letzte Viertel fängt Prüfungsphasen, Krankheit und Arbeitsspitzen ab.

Ein Beispiel mit eigenen Annahmen für eine Vollzeitstelle und ein Kind im Haushalt:

Posten Stunden pro Woche
Woche gesamt 168
Arbeit (Vollzeit) 40
Arbeitsweg 5
Schlaf (sieben Stunden pro Nacht) 49
Essen, Haushalt, Körperpflege 17
Familie und feste Termine 20
Erholung, Bewegung, Freunde 10
Verbleibend 27
Davon als Lernzeit planbar (drei Viertel) rund 20

Rund 20 Stunden liegen knapp unter dem Durchschnitt von 21,3 Stunden, den die Sozialerhebung für berufsbegleitend Studierende im Teilzeitstudium ausweist. In diesem Beispiel ginge ein Teilzeitstudium also auf, ein Vollzeittempo dagegen nur auf Kosten von Erholung und Puffer. Wenn Ihre eigene Rechnung deutlich unter 15 Stunden landet, ist das kein Ausschlusskriterium, aber ein klares Signal, das Tempo von Anfang an niedriger anzusetzen.

Fünf Stellschrauben gegen die Doppelbelastung

Studientempo an die Lebensphase anpassen

Das Tempo muss nicht für die gesamte Studiendauer gleich bleiben. Viele Fernstudienmodelle erlauben es, die Zahl der Module pro Semester zu verändern oder ein Studium vorübergehend zu verlängern. Klären Sie vor der Einschreibung schriftlich, ob ein Wechsel zwischen Vollzeit- und Teilzeitvariante möglich ist, was er kostet und ob sich die Regelstudienzeit dadurch verlängert.

Arbeitgeber und Familie früh einbinden

Belastung entsteht oft dort, wo andere nichts vom Studium wissen. Sagen Sie Ihrer Führungskraft, wann Prüfungen anstehen, und tragen Sie diese Termine früh in den Teamkalender ein. Viele Betriebe bieten Gleitzeit, mobiles Arbeiten oder Vertrauensarbeitszeit an; welche Modelle verbreitet sind, beschreibt der Beitrag New Work und flexible Arbeitsmodelle. Zu Hause hilft eine feste Absprache, welche Abende Lernzeit sind und wer in Prüfungswochen welche Aufgaben übernimmt.

Feste Lernfenster statt Restzeit

Wer nur lernt, wenn „Zeit übrig ist“, lernt in vollen Wochen gar nicht und muss später aufholen. Verlässlicher sind feste Fenster, etwa drei Abende mit je zwei Stunden und ein Block von vier Stunden am Wochenende. Das ergibt zehn Stunden pro Woche. Viele Studierende berichten, dass kurze, regelmäßige Einheiten besser in den Arbeitsalltag passen als seltene Lernmarathons.

Austausch bewusst organisieren

Gegen das Gefühl, allein zu sein, das 13,3 Prozent der AKAD-Befragten angeben, gibt es kein Patentrezept, aber bewährte Wege: eine feste Lerngruppe für ein Modul, regelmäßige Online-Treffen, Präsenzveranstaltungen der Hochschule, sofern angeboten, oder Kolleginnen und Kollegen, die selbst nebenher studieren.

Erholung als festen Termin behandeln

Die Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Stress nennen unter anderem diese Ansätze: Auslöser erkennen und angehen, das eigene Zeitmanagement verbessern, Entspannungstechniken ausprobieren und sich bewegen. Für Erwachsene empfiehlt das Ministerium 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Im Wochenbudget oben ist Erholung deshalb ein eigener Posten und keine Restgröße. Welche Form für Sie passt, ist individuell verschieden.

Frau macht nach der Arbeit einen Spaziergang im Park als Ausgleich zum Lernen
Erholung als fester Termin im Wochenplan. (KI generiertes Bild)

Wo Sie Unterstützung bekommen

Wird das Studium dauerhaft zu viel, warten Sie nicht erst die nächste Prüfung ab. Drei Anlaufstellen kommen infrage:

  • Die eigene Hochschule: Studienberatung und Prüfungsamt kennen die Möglichkeiten, Fristen zu verschieben oder das Tempo zu ändern. Die AKAD nennt für ihre Studierenden nach eigenen Angaben eine Studienberatung sowie psychosoziale Beratung im digitalen Raum.
  • Studierendenwerke: Die psychologische Beratung der Studierendenwerke ist vertraulich und für Studierende in der Regel unentgeltlich; Themen sind unter anderem Stressbewältigung sowie Zeit- und Selbstmanagement. Zuständig ist sie für Studierende der Hochschulen, die dem jeweiligen Studierendenwerk zugeordnet sind. Private Fernhochschulen gehören häufig nicht dazu, fragen Sie deshalb vorab nach, ob Sie das Angebot nutzen können.
  • Öffentliche Beratung: Die Seite des Bundesgesundheitsministeriums enthält eine Rubrik „Wo finde ich Beratung und Hilfe?“ und verweist dort unter anderem auf die Telefonseelsorge unter 116 123. Wenn Sie sich über Wochen erschöpft fühlen, ist die hausärztliche Praxis eine erste Anlaufstelle.

Ihre nächsten Schritte: Rechnen Sie Ihr Wochenbudget mit der Methode oben durch, legen Sie danach Ihr Studientempo fest und klären Sie vor der Einschreibung, welche Beratung Ihnen an Ihrer Hochschule zur Verfügung steht. So starten Sie mit realistischen Erwartungen.

Handschriftlicher Wochenplan mit farbigen Blöcken für Arbeit, Studium, Familie und Erholung
Das eigene Wochenbudget auf Papier durchrechnen. (KI generiertes Bild)

Häufige Fragen

Ist ein Studium neben dem Beruf sehr stressig?

Phasenweise ja. In der AKAD-Befragung nennen 28 Prozent „gestresst“ und 21 Prozent „belastet“, zugleich 54 Prozent „positiv gefordert“ (Mehrfachnennung, n = 806). Stress tritt meist gebündelt auf, etwa in Prüfungswochen. Ein realistisches Wochenbudget mit Puffer verringert diese Spitzen.

Wie viele Stunden pro Woche braucht ein berufsbegleitendes Studium?

Laut 22. Sozialerhebung im Schnitt 22,6 Stunden in der Vorlesungszeit, im Teilzeitstudium 21,3 Stunden. Fernstudierende kommen insgesamt auf 29,6 Stunden, im Teilzeitstudium auf 19,6 Stunden. Ihr eigener Wert hängt von Modulzahl, Fach und Tempo ab.

Kann man neben einem Vollzeitjob studieren?

Ja, viele tun es. Berufsbegleitend Studierende arbeiten laut Sozialerhebung im Schnitt 32,5 Stunden pro Woche. Mit einer Vollzeitstelle ist ein Teilzeitstudium meist die realistischere Wahl; binden Sie Ihren Arbeitgeber früh ein und planen Sie Prüfungen außerhalb betrieblicher Spitzenzeiten.

Was tun, wenn das Studium neben dem Beruf zu viel wird?

Tempo drosseln, Lernzeiten neu mit Familie und Arbeitgeber abstimmen und frühzeitig die Studienberatung der Hochschule ansprechen. Psychologische Beratung bieten Studierendenwerke für Studierende ihrer zugeordneten Hochschulen an. Hält die Erschöpfung an, ist die hausärztliche Praxis eine erste Anlaufstelle.

Fühlt man sich im Fernstudium einsam?

Manche schon: 13,3 Prozent der befragten AKAD-Studierenden nennen „einsam“, der niedrigste Wert der sieben abgefragten Gefühle. Lerngruppen, Online-Treffen und feste Termine mit Mitstudierenden sind die üblichen Wege, um Austausch herzustellen.